Teilnahme an Fachtagung „Beziehungsgewalt – Risikoeinschätzung und Sicherheitsplanung“

Gestern nahm eines unserer Güstrower Mitglieder an der Auftaktveranstaltung zur Anti-Gewaltwoche, der Fachtagung „Beziehungsgewalt – Risikoeinschätzung und Sicherheitsplanung“ in Parchim, teil. Bedauerlicherweise wurde bereits von ministerieller Ebene wie auch von der Mehrheit der fast ausschließlich weiblichen Teilnehmer* von einem Täter-Opfer-Schema ausgegangen, welches Opfer-Täter-Zuweisungen undifferenziert dem weiblichen bzw. männlichen Geschlecht zuordnete. Ausschließlich am Rande der Veranstaltung wurde gelegentlich umfassender argumentiert.

Das Grußwort des Staatssekretärs Nikolaus Voss aus dem Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales Mecklenburg-Vorpommern unter Leitung von Ministerin Manuela Schwesig (SPD) stellte den überwiegenden Teil der häuslichen Gewalt als von Männern und Vätern gegen Frauen und Mütter ausgeübt dar. Auch die Einführung einer Kriminalpolizeibeamtin durch eine Fallschilderung zur Entwicklung einer Beziehung folgte dem vorgegebenen Handlungsschema. Sehr ausführlich wurden in der Fallschilderung die Eskalationsstufen dargestellt, wobei zum Einen das Hinterfragen partnerschaftlicher Gewaltdynamiken fehlte, zum Anderen das gemeinsame Kind als Kind der Frau benannt wurde.

Der folgende Polizeibeamte stellte seine Arbeit in der Risikoeinschätzung in Hamburg dar. Auch hier wurden die Risikofaktoren lediglich beim Mann gesehen, die Frau als ausschließliches Opfer. Die Frage unseres Mitglieds nach Gewalt von Frauen gegenüber Männern oder Kindern wurde damit beantwortet, dass sie für die beiden letzten Formen noch keine Muster hätten und dass bei der Erkenntnis weiblicher Täterschaft ebenfalls die entwickelte Vorgehensweise angewendet wird, was auf den Mangel an geschlechtersensibler Interventionsarbeit verwies.

Unsere eingebrachte Anregung, zu den Beziehungseskalationen Professoren heranzuziehen, die darüber geforscht haben, wurde mit der Aussage erwidert, dass bereits langjährige Fachkooperationen existierten. Die stete Erweiterung der Forschungskenntnisse und damit -kooperationen um auch kritischere Erkenntnisse bleibt für die Zukunft als dringend wünschenswert anzumerken.

Die beiden anwesenden Leiter der Hagenower Schutz- und Kriminalpolizei kannten die gesetzlichen Voraussetzungen und argumentierten vergleichsweise neutral und stellten das Kindeswohl in den Vordergrund. Sie sehen allerdings das Kindeswohl darin gegeben, dass die Kinder bei den Müttern bleiben, wenn es zu häuslicher Gewalt gekommen ist. Auch hier läßt sich Kritik, in diesem Fall an mangelnder Praxis im Umgang mit väterlichen Perspektiven und (Er)Lebenswelten, anbringen.
Der Bericht der Leiterin einer Osnabrücker Beratungsstelle über eine internationale Tagung von Frauen wurde dahingehend dargestellt, dass Risikofaktoren und Hilfen entsprechend nach Geschlecht zugeordnet wurde.

In der anschließenden Diskussion stellte unser Mitglied die Frage, wie durch Interventionen und Beratungen Eskalation vermieden wird und welche Methoden zur Konfliktlösung und Deeskalation eingesetzt werden, woraufhin geantwortet wurde, dass Frauen geschützt werden müssen. Dass der beste Schutz darin besteht lösungsorientiert zu arbeiten und zu deeskalieren, wurde in diesem Gespräch nicht aufgegriffen.

Im Nachmittagsteil wurde vom Schweriner Theater ein Stück aufgeführt, das die Beziehung in einer Gewaltbeziehung durch den Mann darstellte und die Frauenberatungsstelle als Hilfsorganisation einbrachte.

In den Pausen konnten zahlreiche Gespräche geführt werden. So unter anderem mit den anwesenden Polizeibeamten, die wir darauf hinwiesen, dass Deeskalation der beste Schutz für Frauen ist. Hierfür wurde jedoch kein Verständnis gezeigt. Im Gespräch mit der Gleichstellungsbeauftragten des Landes, Frau Ring, die auf der Fachtagung „Eine neue Männerkultur – erleben – erfahren – gestalten“ in Schwerin am 23. 10. 2013 ebenfalls anwesend war, konnten wir auf unsere Arbeit für den Landkreis Rostock hinweisen, was sie wegen der Präventionsinhalte interessant fand. Auch wurden an einem der Tische die durch unser Mitglied eingebrachten Positionen diskutiert, woraufhin sich ebenfalls ein direktes Gespräch ergab. Dem Grundverständnis nach war ebenfalls das übliche Täter-Opfer-Schema vorhanden; die Frage nach männlicher Täterarbeit verneinten wir. Eine der anwesenden Frauen brachte ein, dass der Ansatz von Beratungsarbeit für Männer durchaus, wenngleich noch sehr randläufig, vorhanden sei.

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*Bitte beachten Sie unseren Hinweis zur Verwendung des Sprachgeschlechtes.

 

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