Leseempfehlung: Jeannette Hagen „Die verletzte Tochter“

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Nachfolgend weisen wir unsere Leserschaft auf das im vergangenen Herbst erschienene Buch „Die verletzte Tochter“ unserer Fachbeirätin Jeannette Hagen hin.

„Die verletzte Tochter“ ist mit seiner Fachtiefe ein Buch, was man mit großem Interesse liest und nur schwerlich wieder aus der Hand legen mag. Die Autorin wuchs ohne ihren leiblichen Vater auf und konnte trotz wiederholter Versuche in ihrer Vergangenheit, Kontakt zu ihm aufzunehmen, keine Resonanz in ihm erzeugen. In knapp über 230 Seiten gelingt Frau Hagen das Kunststück, nach Erlangen eines umfassenden Sachverständnisses und einer langen Phase therapeutischer und ganzheitlicher Arbeit mit diesem schier unbeherrschbaren Schmerz der Zerrissenheit aufzuzeigen, dass ein Weg der Auseinandersetzung für jede(n) Betroffene(n) lohnenswert ist. Für diesen Weg ist ihr Buch ein umfangreicher Wissensfundus:

Der die eigene Identitätsfindung beeinflussende Schmerz eines fehlenden Elternteiles ist unbestritten für jedes Kind kaum ohne oftmals lebenslange Prägung zu erfassen – für Töchter wiegt die Abwesenheit des väterlichen Rollenbildes insofern schwerer, als sie sich in vielen Fällen negativ auf das eigene Bild der Weiblichkeit und des Selbstbewusstseins und damit das Erlernen eine gesunden Bindungsmusters auswirkt.

Das Fehlen des Vaters als Korrektiv, Förderer, Reibungsfläche und männliches Rollenbild wirkt sich unter anderem auf den Hormonhaushalt, verfrühte(n) Pubertät und Kontakt zu Männern, Promiskuität sowie in Form von Versagensängsten, mangelndem Selbstvertrauen, Depressionen, Traumatisierung und nicht selten Ausprägungen von Narzissmus oder Borderline aus. Oft sind Entwurzelungen, ein Umherirren im Leben oder übertriebener Ehrgeiz bei gleichzeitiger innerer Leere die Folge. Nicht zuletzt ist das eigene Abstammungswissen von maßgeblicher Wichtigkeit für die eigene psychische Entwicklung.

„Die verletzte Tochter“ schmerzt beim Lesen und ist dennoch leicht und fließend lesbar; es vermag sicherlich bei vielen Lesern das Interesse wecken, tiefer in die Materie wie ihr angrenzende Themen einzutauchen. Die Autorin gibt weitreichende Einblicke in ineinander übergreifende Themenkomplexe wie Vaterschaft und –entbehrung, (Trennungs)Elternschaft mitsamt ihrer sorge- und unterhaltsrechtlichen Einseitigkeiten, Wechselmodell, Rollenbilder, Genetik und Psychoanalyse und gestattet dem Leser ein tieferes Verständnis für geschlechterpolitische Defizite, die indirekte oder direkte Ursachen auf bzw. Wirkungen aus der Thematik darstellen. So ist es ein längst überfälliger Schritt, sich von gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Frau und Mann zu lösen, ideologische Dogmen zu hinterfragen und abzulegen und sich aus Opfer-Täter-Stereotypen zu befreien.

Indem Jeannette Hagen abschließend die aktuellen Ausprägungen gelebter moderner Rollenbilder samt der gesellschaftlich seit Jahren erodierenden Partnerschaftsmodelle unter die Lupe nimmt und in weiten Teilen überzogene Forderungen unvereinbarer Denkmodelle – beispielsweise eines einseitigen Feminismus´ oder allzu starrer männlicher Lebenswelten – hinterfragt, hat sie sich nicht nur zum Teil unbeherrschten Kritiken ausgesetzt, sondern zeigt darüber hinaus auch Auswege aus einer so schadhaften Spaltung und Lösungsansätze für eine gesunde Beziehungskultur auf.

„Die verletzte Tochter“ ist eine empfehlenswerte Lektüre, für 16,99 Euro erhältlich und kann mit einer Widmung von Jeannette Hagen direkt bei uns bestellt werden. Vielen Dank!

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